Geschichte

                                                                                                  HAUPTSTAATSARCHIV STUTTGART SIGNATUR B 523 U 3159 – B 515 U 2237

Konstanz 1229

Gozwino de Scowenburc und seine zwei Söhne

als Zeugen für die Reichsministerialen von Summerau bei Abt Konrad von St. Gallen und dem Grafen von Veringen-Nellenburg, sowie König Heinrich VII.,

eingedenk eines früheren Gelübdes zum Seelenheile ihres im Heiligen Lande verstorbenen

Bruders Kuno von Summerau, die Übertragung der Kapelle Manzell

an das Kloster Weißenau.


 


 


 


 


 


 


 

Wappen Schomburg
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DIE RITTERHERRSCHAFT SCHOMBURG

 

Mit C----O----N----F----I----R----M----O (Bestätigung) endet der Originaltext

der lateinischen Urkunde (Abb. 1). Damals wurden die Urkunden zur Aufbewahrung

immer mit dem Text nach innen gefaltet, damit eine freie Fläche auf der Rückseite

für die kurze Erklärung über den Inhalt zur Verfügung stand (Abb. 2).

 

Es ist anzunehmen, dass die Burg damals bereits seit geraumer Zeit existiert hat

und hoch auf der linken Seite der Unteren Argen stand, der heutigen Parzelle

Hochburg nahe Ettensweiler, das früher zur Feste Schomburg gehörte und somit

zur Pfarrei Niederwangen, zu deren Kirche 1244 ein Ritter Oswalt de Scowenburc

einen Jahrtag stiftete. Im Hochmittelalter gehörten Teile von Goppertsweiler zur

gleichnamigen Argenfeste, sowie Amtzell und das bereits erwähnte Niederwangen.

 

Die einzige Ansicht von „Alt Schonbürg“ befindet sich auf der Landtafel von 1617

des Kartographen und Malers Johannes Andreas Rauch (Abb. 3). Die letzten Reste

der Burg, die 1930 noch eine Höhe von 1-2 m hatten, wurden am Abhang zur

Unteren Argen „entsorgt“. Heute ist von der Ruine nichts mehr zu sehen.

 

Dass die Herren von Schomburg, ursprünglich Ministeriale der Abtei St. Gallen,

sich aus den Dorfherren entwickelt haben müssen, zeigt die hohe Zahl des niederen

Adels, mit Zwing-und Banngewalt, der fast in jedem Ort anzutreffen war. Die

Hochgerichtsbarkeit lag bei der Grafschaft Montfort (Abb. 4), denen sie etwa ab

1250 unterstanden, wobei es allerdings bis ins 15. Jahrhundert hinein Streitigkeiten

über die Lehenshoheit mit dem Kloster gab.

 

Über das Geschlecht derer von Schomburg ist wenig bekannt. Überwiegend traten

sie als Zeugen bei Verträgen und Schenkungen auf wie 1257 ein Manegoldus von

Scowenburc mit seinem Sohn in Eriskirch und in Konstanz bei einer Tradition des

Grafen Wolfrad von Veringen. 1259 ein R(udolf) dictus de Scowenburc als Zeuge

beim Truchsessen von Warthausen und 1269 bei einer Beurkundung von Gütern

an das Kloster Baindt. 1270 hielt sich ein Gözwin de Schowenburg als Zeuge in

Salem bei den Grafen von Heiligenberg auf.

 

1311 auf der Burg zu Lindau. Oswalt von Schomburg als Zeuge des Kaufs der

Herrschaft Oberstaufen durch den Grafen Haug von Montfort-Bregenz und 1316

in St. Gallen als Zeuge eines Vergleichs zwischen diesem Grafen und dem Kloster.

1322 vermachte der Edelknecht Manzo de Schowenburc an das Kloster Weingarten

seine Güter zu Haslach und ein Gut „uf dem Rain“ (Rhein).

 

1334 schenkte Gözwin von Schowenburc dem Kloster Weingarten „den Hof in

der Wies“ (vermutlich Schauwies) und 1335 dem Kloster Weißenau

Ettensweiler, für das Seelenheil seines Bruders Mangold. Schon neun Jahre später

sah sich das Kloster wegen Schulden genötigt, Ettensweiler zu veräußern,

wodurch der Ort wieder an Schomburg kam.

 

1336 verkaufte Gözwin die Burg an Graf Hugo von Montfort-Tettnang, der die

Grafschaft wegen Erbteilung noch vor 1338 an die Linie Montfort-Bregenz

übertrug. Ob die Burg weiterhin von Gözwin und seinen Nachkommen bewohnt

wurde, ist nicht bekannt. 1348 übergab Gözwin von Schomburg Eigenleute aus

Ettensweiler an das Kloster Weingarten. Die letzte urkundliche Erwähnung datiert

aus dem Jahre 1386. In Ravensburg trat wieder ein Gozwin de Schowenburc als

Bürge von Rudolfus de Epirsberg (Ebersberg) in einem Prozess über die Herrschaft

Wasserburg am Bodensee auf.

 

Es muss allerdings, nach dem Einkünfteverzeichnis des Grafen Hug von Montfort

aus der Burg zu Schomburg, noch einen Cunz von Schowenburc gegeben haben.

Nach diesem ist 1400 belegt, dass der letzte seines Geschlechts reich begütert war,

u. a. über Zinsen der Stadt Wangen, das Vogtrecht zu Haslach und Primisweiler,

Güter zu Hiltensweiler, Jussenweiler, den Hof zu Löwenhorn und auch die

Fischrechte im Teufelssee und in der Unteren Argen gehörten ihm.

 

1408 verkauften Graf Hug von Montfort, Herre ze Pregentz mit seinem Sohn Ulrich,

Graf von Montfort, die Burg mit allen Zugehörungen, den Patronatsrechten zu

Primisweiler und Haslach, sowie das Niedergericht an die Brüder Benz und Konrad

Siber, reiche Kaufleute und Mitglieder der Lindauer Patriziergesellschaft

„Zum Sünfzen“ (Abb. 5). Oswald Siber rief 1450 seine Untertanen links und rechts

der Argen zusammen, um ihnen eine Gemeindeordnung in Selbstverwaltung

anzubieten, ein Vorhaben, das zu dieser Zeit ungewöhnlich war. Anfang oder Mitte

des 15. Jahrhunderts erbauten die Siber das neue Schloss auf der rechten Seite der

Unteren Argen, das 1515 samt Herrschaft an ihren Vetter Anton Rehm verkauft

wurde, während die alte Burg zerfiel.

 

„Die Rehmen“ waren eine der angesehensten Familien der freien Reichsstadt

Augsburg. Wahrscheinlich durch den Erwerb der Herrschaft Schomburg

übersiedelte auch Anton Rehm nach Lindau, wo er als Stadtrichter tätig war.

In der Stiftsbibliothek St. Gallen befindet sich ein Bildnis von ihm mit der

Inschrift „Anthon Rhem, Ritter des Heiligen Grabes (Jerusalemkreuz) und der

Hl. Katharina (Schwert und Rad), Anno 1522“ (Abb. 6). Den vornehmen Stand

der Familie bezeugte die Mitgliedschaft bei der Lindauer Herrengesellschaft

„Zum Sünfzen“. Das Geschlecht wurde im Jahre 1538 in den Reichsadelsstand

erhoben.

 

Der Besitz von Schomburg war allerdings von kurzer Dauer, denn bereits 34 Jahre

später im Jahre 1549, erwarb der Kaufmann Friedrich Humpis von Waltrams und

Pfaffenweiler zu Schomburg die Herrschaft und 1588 das Patronat über die Kirche

in Haslach von Abt Joachim Opser (1577-1594) von St. Gallen. Friedrich VI. war

mit Anastasia von Sürgenstein auf Amtzell verheiratet. Ein Epitaph aus Sandstein

der beiden mit ihren Wappen befindet sich in der Wallfahrtskirche Pfärrich (Abb. 7).

 

Fast 100 Jahre später, im Jahre 1645, kam es zu einer Erbteilung des gesamten

Familienbesitzes der Humpis, wobei die Herrschaft Schomburg an die beiden

Söhne einer Euphrosine von Humpis fiel, nämlich an die Brüder von Freyberg-

Eisenberg. Bereits dreizehn Jahre später, im Jahre 1658, gab es Erbstreitigkeiten im

Hause Freyberg, wobei die Verwaltung der Herrschaft an den Hochgerichtsherrn,

den Grafen Hugo XIV. von Montfort-Tettnang fiel. Auch in Pfärrich erinnert ein

Epitaph an das Geschlecht derer von Freyberg-Eisenberg.

 

Noch im gleichen Jahr (1658) konnte Hugo XIV. die Gelegenheit wahrnehmen,

Schomburg durch Kauf wieder zurückzugewinnen, obwohl zu diesem Zeitpunkt

die Grafschaft bereits hoch verschuldet war. Auch der Bau des neuen

Barockschlosses in Tettnang, sowie der Ausbau zur Sommerresidenz von Schloss

Schomburg (Abb. 8) 1754 durch Graf Ernst, der ein Jahr später verstarb, trugen

weiter zur finanziellen Misere des Hauses Montfort bei.

 

Wegen Überschuldung übernahm am 22. August 1780 Österreich die Grafschaft

mit Schomburg von Graf Franz Xaver gegen eine Leibrente auf Lebenszeit. Mit

Graf Anton IV., dem Bruder, erlosch 1787 kinderlos und verlassen das Geschlecht

derer von Montfort-Tettnang.

 

Die Habsburger konnten sich nur kurz an der Gebietserweiterung erfreuen, denn

bereits 1805 verteilte Napoleon I. im Pressburger Frieden die oberschwäbischen

Gebiete, wobei das „K.K. Oberamt Tettnang“ an Bayern fiel. Am 1. Januar 1806

wurde von „Napoleons Gnaden“ Württemberg zum Königreich erhoben, aber noch

ohne die ehemalige Grafschaft Montfort-Tettnang. Diese wurde endgültig beim

Pariser Frieden im Mai 1810 dem Königreich Württemberg zugeschlagen.

Im gleichen Jahr teilte König Friedrich von Württemberg sein um fast das Doppelte

vergrößerte Land in 64 Oberämter ein. Darunter auch das „Oberamt Tettnang“.

Von einigen Korrekturen abgesehen, galt diese Einteilung bis 1937. Württemberg

verkaufte das Schloss 1831 an einen Kaufmann aus Ravensburg, der es aber bereits

1839 zum teilweisen Abbruch veräußerte. Danach wechselte es mehrmals den

Besitzer, bis die letzten Reste 1899 niederbrannten (Abb. 9).

 

Am 1. April 1937, im Zuge einer Gemeindereform, kam Schomburg zum Kreis

Wangen. Die Ortschaft verlor dabei keine Gebietsteile, sondern erhielt noch von

Neukirch Engelitz, Lochmühle, Hagmühle und die Haslachmühle, von der

Gemeinde Flunau, die zum 31. März 1937 aufgelöst wurde, Pflegelberg.

 

Eine Verwaltungsreform stand im Jahre 1972 an, bei der die Landkreise

Ravensburg und Wangen zum „Kreis Ravensburg“vereint wurden und

Schomburg, mit fünf weiteren Ortschaften, ihre Eigenständigkeit verloren

und Wangen im Allgäu zur „Großen Kreisstadt“ verhalfen.

 

Schomburg besteht aus zwei Ortsteilen, links der Unteren Argen Primisweiler

mit den Wohnplätzen Friedhag, Hiltensweiler, Hochbühl, Hochburg, Kernaten,

Mittenweiler, Pflegelberg und Rhein, rechts der Unteren Argen Haslach, Batten,

Bauren, Engelitz, Hagmühle, Haslachmühle, Halbrechts, Hugelitz, Lochmühle,

Rembrechts, Schauwies, Schomburg und Ziegelhütten.

 

Quellenverzeichnis:

Hauptstaatsarchiv Stuttgart (Abb. 1+2)

Landtafel des Johannes Andreas Rauch 1617 – Stadtarchiv Wangen (Abb.3)

Tobias Conrad Lotter – Kupferstich 1760 – Foto: Horn (Ausschnitt Abb. 4)

Hauptstaatsarchiv Stuttgart Signatur B 123 I U 774 Verkaufsurkunde 1408 (Abb. 5)

ETH-Bibliothek Zürich – Zeitschrift für Schweizerische Archäologie und

Kunstgeschichte 1960 – Nr. 20 - Bildnis des Anton Rehm in der

Stiftsbibliothek St. Gallen (Abb. 6)

Epitaph in der Wallfahrtskirche Pfärrich – Foto: Horn (Abb. 7)

Wandbild im Neuen Schloss Tettnang – Foto: Horn (Abb. 8)

Festschrift der MK Primisweiler 1965 (Abb. 9)

Beschreibungen des Oberamts Tettnang 1838/1915

 

Dieter Horn